Regional

Eine existenzielle Sache:Colditz gegen Grimmaer Schulersatzneubau

LANDKREIS LEIPZIG.. Schüler sind in Zeiten wie diesen ebenso wie Lehrer ein gefragtes Gut. Daran hat auch das Schulschließungs-Moratorium für die sächsischen Bildungsstätten nichts geändert. Im Landkreis Leipzig ist es zu einem Streit zwischen den Städten Colditz und Grimma über die in letzterer Kommune gelegene Oberschule Böhlen gekommen.
Für diese will der kommunale Schulträger für mehrere Millionen Euro einen Ersatzneubau errichten, wogegen die Stadt Colditz juristisch vorzugehen beabsichtigt. Ein Ansinnen, für das Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) klare Worte findet. Er erachte das Colditzer Vorgehen für „kleinkariert“ und für die Nachbarkommune „rufschädigend“, und es entspreche nicht seinen Vorstellungen vom kommunalen Miteinander. „Abgesehen davon, dass wir alle das Beste für unsere Kinder anstreben und insbesondere optimale Ausbildungsbedingungen schaffen sollten, geht es im konkreten Fall des Böhlener Schulneubaus um keine Erweiterung, sondern um eine Modernisierung.“ Es sei keine Erhöhung der Schülerzahlen geplant, betont Berger, der seinem Colditzer Amtskollegen Matthias Schmiedel (parteilos) dazu rät, darüber nachzudenken, warum der Ruf der eigenen Oberschule offensichtlich nicht mit dem der Böhlener mithalten könne.
„Colditz wird unseren Ersatzneubau allenfalls verzögern können, was für uns allerdings Zusatzkosten nach sich zieht“, so das Grimmaer Stadtoberhaupt, dem sein Colditzer Kollege entgegenhält, dass es in dieser Sache nicht um einen Schulneubau im Grimmaer Kommunalgebiet, sondern um einen an der Peripherie in unmittelbarer Nähe zu seiner Kommune gehen würde.
„Dass ein moderner Schulbau eine hohe Anziehungskraft, verbunden mit der Inkaufnahme längerer Schulwege seitens der Elternschaft hat, liegt auf der Hand. Deshalb sind diese Pläne für unsere Stadt eine existenzielle Sache, da eine perspektivische Einzügigkeit unserer Oberschule keine Basis für eine Stadtentwicklung darstellt“, so Schmiedel, der den Grund für das Dilemma im 2010 aufgestellten Schulnetzplan sieht. „Damals hat man es versäumt, sich klar für einen Oberschul-Standort in der Region zu entscheiden, der aus unserer Sicht Colditz hätte sein müssen“, so der Colditzer Stadtchef, dessen Kommune erfolgreich beim Oberverwaltungsgericht Bautzen gegen die Neubaupläne geklagt hat, womit die Grundlage für ein weiteres juristisches Vorgehen gelegt ist.
Ähnliche Auseinandersetzungen sind zwar in naher Zukunft im Landkreis Leipzig nicht zu erwarten, die Arbeit am neuen Schulnetzplan, mit dem jener aus dem Jahr 2010 in diesem fortgeschrieben werden soll, dürfte gleichwohl keine einfache werden. Festzuhalten bleibt, dass die Geburtenzahlen wieder gestiegen sind und dass nach dem neuen Schulgesetz auch einzügige Schulen möglich sind, was eine gewisse Stabilität gleichermaßen für die jeweiligen Träger wie die Eltern bedeutet. Der Geburtenanstieg hat zur Folge, dass die im 2010er-Schulnetzplan für 2016 angesetzten Zahlen zu niedrig sind. Den prognostizierten 3734 neuen Grundschülern und neuen Fünftklässlern an Oberschulen und Gymnasien stehen mit Stichtag 7. März 2017 4633 gegenüber. Derzeit ist die Kreisverwaltung laut Behördensprecherin Brigitte Laux am Sammeln der entsprechenden Daten, darüber hinaus könnten aktuell keine Aussagen zu „künftigen Entwicklungen oder Problemlagen“ getroffen werden. „Wir stehen erst ganz am Anfang der Planung und können leider die Fragen nach den Prognosen nicht beantworten. Es scheint aber sicher zu sein, dass keine Schulen geschlossen werden müssen“, so Laux. Roger Dietze

Bildtext: Tauziehen um Bildungsstandorte: Die Schüler der Oberschule Böhlen (Stadt Grimma) forderten unter anderem auf dem Colditzer Markt ihr Recht auf ein modernes Schulgebäude ein.
Foto: privat

08.01.18, 14:01