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Da waren sich Ost und West mal einig:Weltfriedenstag vereint demokratische Kräfte

LANDKREIS LEIPZIG. Gestandene DDR-Bürger werden sich noch gut daran erinnern können: Ihre achtwöchigen Sommerferien endeten jedes Jahr am 1. September mit einem großen Schulappell, der nicht nur zur Begrüßung des neuen Schuljahres zelebriert wurde, sondern auch dazu diente, an den Weltfriedenstag zu erinnern, welcher noch heute am 1. September im Kalender steht.
Wurde vor der Wiedervereinigung im Osten vom „Tag des Friedens“ gesprochen, nannte man diesen Gedenktag im Westen „Antikriegstag“. Hüben wie drüben wollte man damit einen deutlichen Schlussstrich unter die zerstörerischen und schweren Schicksalsjahre des Zweiten Weltkrieges ziehen.„Nie wieder Krieg“ war und ist das Aktionsmotto, mit dem der Weltfriedenstag in den Nachkriegsjahren initiiert wurde. Zwar wütete danach lange noch ein Kalter Krieg, welcher mit seinen Waffen der Propaganda und Hetze auf beiden Seiten der deutschen Grenze bis zur Friedlichen Revolution im Herbst 89 nicht einzudämmen war. Aber im Kern der Sache, die den Weltfriedenstag zum Symbol gegen Krieg, Elend und Leid machten, waren sich Ost und West mal einig. Inzwischen dürfen sich die Nachkriegsgenerationen über jahrzehntelangen Frieden hier in Europa freuen. Krieg mit all seinem Schrecken kennt man nur noch aus den Schulbüchern, den Medien und vom Hörensagen. Doch die Globalisierung lässt den Krieg wieder – zumindest medial – immer näher an uns heranrücken, egal, in welcher Ecke dieser Welt er gerade tobt. Und seit einigen Jahren hat der Krieg auch uns wieder in einem friedlichen Europa erreicht. Auf der einen Seite mit der Flüchtlingsproblematik, auf der anderen Seite mit den Terroranschlägen. So ist unsere Gesellschaft gefordert, den in Not geratenen Menschen aus Krisen- und Kriegsländern zu helfen – von unserer humanistischen Moral werden wir dazu in die Pflicht genommen. Dafür wird im Kleinen dank der Hilfe vieler ehrenamtlicher Menschen jene Suppe ausgelöffelt, die von der großen und global agierenden Politik eingerührt wurde und noch immer eingerührt wird. So gesehen, werden diese demokratisch gesinnten und friedliebenden Kräfte im gewissen Sinn auch instrumentalisiert. Wohl wissend, dass sie sich für dieses Ziel aufopferungsvoll engagieren und an einem Strang ziehen, um die Auswirkungen dieser Politik einzudämmen, zumindest aber einzugrenzen. Die Praxis zeigt aber auch alltäglich, dass man bereit ist, diese Bürde auf sich zu nehmen. Das Gedenken an den Weltfriedenstag ist dabei nur eine Quelle, aus der sie die Kraft dafür ziehen. Frank Schmidt

Bildtext: Die Stadtkirche St. Egidien in Colditz ist im Landkreis Leipzig seit vielen Jahren am Weltfriedenstag ein Leuchtturm, denn hier finden alljährlich am 1. September ökumenische Gottesdienste mit Friedensgebeten und Andachten statt. Foto: fsw

03.09.17, 08:09